ATX Computer Netzteil umbauen für Ladegeräte

Antworten
Benutzeravatar
Stefanseiner
Beiträge: 425
Registriert: Sa Apr 11, 2020 8:44 pm
Wohnort: Saarland
Kontaktdaten:

ATX Computer Netzteil umbauen für Ladegeräte

Beitrag von Stefanseiner » So Mai 17, 2020 12:42 pm

Wie im Thread Zeig her Deinen (Akku-) Arbeitsplatz bereits angekündigt ging mir dieses Kabel- und Netzteilechaos der Ladegeräte auf den Keks :?
Mittlerweile habe ich ein altes PC-Netzteil umgebaut und betreibe damit insgesamt 15 Ladegeräte seit nun fast zwei Wochen im Dauerbetrieb - ohne Probleme.
Bild


Falls das jemand mal nachbauen möchte hier nun eine bebilderte Anleitung.
Das ist ein normales ATX-Netzteil von Delta. Mit 300 Watt absolut nichts besonderes, für 1€ + 6€ Versand bei eBay erstanden. Andere Marken wie Enermax oder Seasonic sind auch zu empfehlen.
Bild

Wieso das alles? Nun, meine AKku-Ladegeräte benötigen 12V (die LiitoKala Lii500) und 5V (die XTar VC4 und VC8). Das sind auch generell die gängigen zwei Spannungen von dieversen anderen Kleingeräten mit Netzteil bzw. USB als Stromversorgung (USB hat 5V).
Und PC-Netzteile sind billig, für den Dauergebrauch konzipiert und liefern beide benötigten Spannungen. Zusätzlich auch noch 3,3V
Mein Netzteil ist ein Marken-Netzteil von Delta. Kein geläufiger Name sondern eher im OEM Markt anzutreffen, aber die sind spezialisiert auf den Bau von Spannungswandlern und Invertern aller Art, inkl. Server-Netzteile, Schweißgeräte, Photovoltaik-Wechselrichter und Industrieanwendungen. D.h.: das Netzteil ist für den 24/7 Dauerbetrieb geeignet.
Wichtig: die Angaben zu 5V und 12V, zu finden auf dem Typenaufkleber.
Vorsicht bei noname und Pseudomarken wie LC-Power: die geben oft sehr hohe Systemleistungen an, wobei die einzelnen Stränge nie alle gleichzeitig voll belastet werden dürfen. So habe ich auch ein LC-Power mit 420 Watt, welches aber rund 1/3 niedrigere Ampèrezahlen auf der 5V und 12V Schiene leistet als das schwächere Delta mit nur 300W.
Bild

da ich den dicken Kabelbaum mit den vielen PC-Steckern so nicht verwenden kann muss ich die Stecker, so wie ich sie brauche neu anklemmen / anlöten. Und um die überflüssligen Kabel los zu werden schneide ich sie nicht einfach außerhalb des Gehäuses ab, sondern im Innern. Dazu muss man das Gehäuse aufschrauben.
ACHTUNG LEBENSGEFAHR: war das Netzteil kurz vorher eingesteckt gewesen besteht Lebensgefahr durch einen elektrischen Schlag, weil die großen Pufferelkos noch eine ganze Weile Strom gespeichert haben.
Aber ich hatte das Netzteil mehrere Tage ohne Nutzung rumliegen, dann ist der Strom aus den Elkos verpufft
Bild

zuerst den dicken ATX Mehrfachstecker ab, den brauche ich nicht.
Bild

das grüne Kabel ist wie ein zweiter Anschalter des Computer-Netzteiles. Wenn man am PC den Power-Knopf drückt dann schließt das Mainboard dieses grüne Kabel gegen Masse. Bedeutet: man muss entweder einen manuellen Schalter einbauen oder, so wie ich, permanent mit Masse (= beliebiges schwarzes Kabel) verbinden. Dann geht das Netzteil an, sobald man den 230V Stecker einsteckt.
Bild

hier mal die komplette Belegung / Farbkodierung des ATX Netzteilsteckers.
Bild

Ich habe alle Kabel so kurz es ging abgeschnitten (und die Enden abisoliert) mit Ausnahme von:
  • PS_On
  • Masse
  • +5V
  • +12V
da ich später mein Netzteil flexibel um mehr oder weniger Anschlüsse für verschiedene Ladegeräte erweitern möchte benutze ich Lüsterklemmen an den orig. Kabeln des Computernetzteils
Bild

dann löte ich USB-Buchsen an einzelne Litzen mit je ca. 25cm Länge. Später fasse ich immer 4 Buchsen zusammen und verbinde sie mittels Lüsterklemme mit einem Netzteil-Kabel
Bild

da die von mir gekauften Buchsen nur für sehr dünne Koaxialkabel vorgesehen sind muss ich den Schaft etwas aufbohren, damit mein zweiadriges Kabel durch passt
Bild

fertig.
<strong>Hinweis:</strong>&nbsp; ich würde euch empfehlen, einen alten USB-Stecker mit ein wenig Kabel ab zu schneiden und zum Testen der neu angelöteten Buchsen zu verwenden. Es empfiehlt sich eher nicht, direkt mit den Messspitzen des Multimeters in die USB-Buchse zu stechen, da ist so wenig Platz, dass ein Kurzschluss vorprogrammiert ist. Deswegen das abgeschnittene USB Kabel, da kann man bequem an den Litzen messen.
Ich hatte beim Löten 1x aus Versehen die Polung vertauscht, und bei einer Buchse ist ab Wert die Polung verkehrt, da hat offensichtlich beim Zusammenbau jemand gepfuscht. Ohne Testen wäre mir das nicht aufgefallen und vermutlich hätte ich dadurch gleich zwei teure Ladegeräte geschrottet
Bild

dann die 2,5mm Stecker an 12V für die LiitoKala Ladegeräte
Bild

gibt es abgewinkelt und gerade
Bild

fertig sieht das bei mir nun so aus
Bild

Bild

ganz links das kleine 2er Nitecore i2 läuft eigenständig über 230V, ansonsten werden alle 15 Ladegeräte = 74 Ladeslots nun von einem einzigen Netzteil versorgt. Ohne Probleme.
An warmen Tagen und wenn alle Slots frisch bestückt wurden und gleichzeitig laden schaltet der Lüfter des Netzteiles auf die zweite Geschwindigkeitsstufe und es kommt lauwarme Luft raus, wobei die Temperatur unter 30°C bleibt.
Fazit:
Der Aufwand des Umbaus und die Geldinvestition haben sich (für mich) sehr gelohnt. Keine 15 Netzteile mehr, keine überhitzten China-USB-Ladegeräte mehr und ein weitaus sichereres Gefühl, da das ATX-Netzteil diverse Schutzschaltungen hat und Dauerbetrieb- und llastfest ist.
  • Kosten: 7€ Netzteil + ca. 1€ je angelötetem Stecker = 30€ insgesamt
  • Zeit: ~2h Kabel abisolieren und Stecker anlöten
Bild
Antworten